LNG – Mit Vollgas aus der CO2-Falle

Ein Meilenstein, der die Zukunftsfähigkeit von LNG unter Beweis stellt, wurde im Sommer 2016 erbracht: Im Juni eröffneten der Nutzfahrzeughersteller Iveco und das Energieunternehmen Uniper Deutschlands erste LNG-Tankstelle für Lkw in Ulm. Zukunft ERDGAS hat den Bau- sowie Erlaubnisantrag für die Anlage gestellt und anschließend die Errichtung der Anlage geleitet.

Darüber hinaus möchte LIQVIS, ein Tochterunternehmen von Uniper, in den nächsten Jahren in Deutschland und ausgewählten Nachbarländern ein bedarfsgerechtes LNG-Tankstellennetz aufbauen. Außerdem kooperieren Iveco und LIQVIS, um in der Rhein-Ruhr-Region zwei Tankstellen für rund 200 LNG-Trucks zu errichten. Damit gehen die Partner einen wichtigen Schritt, um die Entwicklung nachhaltiger Antriebskonzepte im Schwerlastverkehr voranzubringen. Insbesondere im internationalen Kontext stellt Deutschland noch einen weißen Fleck für die LNG-Infrastruktur in Europa dar und behindert so den internationalen Transitverkehr.

LNG und Bio-LNG mit vielen Vorteilen

ERDGAS und erneuerbares Methan sind Kraftstoffe mit geringen THG-Vermeidungskosten und tragen zudem zu einer Diversifizierung der Energieträgerbasis im Verkehr bei, der derzeit zu 95 Prozent auf Erdöl als Energieträger basiert. Fahrzeuge, die mit CNG oder LNG betrieben werden, emittieren deutlich weniger Lärm, Feinstaub- und Stickoxide.

LNG emittiert bis zu 15 Prozent weniger CO2 und 85 Prozent weniger Stickoxide als in der Euro-VI-Abgasnorm vorgeschrieben sowie nahezu keinen Feinstaub. Und auch die Lärmbelastung durch Lkw wird um die Hälfte gesenkt.

Für das Logistikunternehmen Ludwig Meyer GmbH & Co. KG ist der LNG-Antrieb längst in der Praxis angekommen: Dank der im Juli 2016 übergebenen finanziellen Unterstützung des BMVI in Höhe von 360.000 Euro orderte das Unternehmen 20 neue LNG-Lkw. Die symbolische Flottenübergabe erfolgte im Rahmen der IAA Nutzfahrzeuge in Hannover Ende September 2016. Zudem legt das Projekt die Grundlage für den Bau einer weiteren, öffentlichen LNG-Tankstelle am östlichen Berliner Ring.

Großer Hebel für CO2-Einsparungen

Der Straßengüterverkehr verursacht ca. 24 Prozent der gesamten Emissionen des Verkehrssektors. Dabei haben Lastkraftwagen, Sattelzugmaschinen und landwirtschaftliche Zugmaschinen lediglich einen Anteil von neun Prozent am gesamten Straßenfahrzeugbestand. Diese Relation verdeutlicht, dass der Schwerlastverkehr das wohl größte Potenzial besitzt, CO2-Emissionen effizient zu senken.

Der Handlungsdruck ist groß. Die Shell-Nutzfahrzeug-Studie 2016 prognostiziert, dass der Güterverkehr in Deutschland weiter stark zunehmen wird: Das heutige Güterverkehrsaufkommen von 4,1 Millarden Tonnen wird bis 2040 auf 4,8 Milliarden Tonnen ansteigen. Die Güterverkehrsleistung wird sich bis 2040 mit 962 Milliarden Tonnenkilometern (tkm) verdoppeln. Der Bestand an Nutzfahrzeugen könnte demnach um ein Fünftel auf 3,5 Millionen Fahrzeuge steigen. Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI) geht in seiner Prognose vom März 2016 davon aus, dass die Transportleistung in Deutschland bis 2030 um 38 Prozent gegenüber dem Stand von 2010 anwachsen wird.
 

Tankstelleninfrastruktur schaffen

Bei entsprechender staatlicher Förderung kann LNG im Jahr 2040 einen Anteil von 65 Prozent bei Neuzulassungen schwerer LKW ausmachen, so die Shell-Studie. Dafür muss LNG allerdings steuerlich vergünstigt und zudem eine Tankstelleninfrastruktur an Autobahnen errichtet werden. Das Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt geht davon aus, dass zehn bis 15 Tankstellen an entsprechenden Autobahnnetzen als erste Grundversorgung in Deutschland ausreichen. Ein Abstand von 400 Kilometern zwischen den LNG-Stationen ist für die Reichweiten von über 1.000 Kilometer der LNG-Lkw kein Problem.

Am 9. November stellte das BMVI den "Nationalen Strategierahmen" (NSR) vor, der neben der Förderung von CO2-armen Lkw ab 7,5 Tonnen die Errichtung eines Basisnetzes von LNG-Tankstellen bis 2025 entlang des transeuropäischen Verkehrsnetzes in Aussicht stellt.