LNG-Terminal in Deutschland

Ein echtes Novum: Deutschland plant den Bau des ersten deutschen Flüssigerdgas-Terminals. Der finale Standort wird noch gesucht. In der engeren Auswahl stehen zurzeit Brunsbüttel, Stade und Wilhelmshaven.

Planungen für ein deutsches LNG-Terminal
Quelle: Brunsbüttel Ports GmbH

Weniger Emissionen, mehr Flexibilität

Die Gründe: Um die Bezugsquellen über den reinen Pipeline-Import zu erweitern, bedarf es neue Wege und die finden sich über den Anschluss an den internationalen LNG-Markt. So könnte dann auch Gas aus anderen Regionen importiert werden, die bisher nicht per Pipeline an den deutschen Markt angebunden sind. Aktuell gibt es 28 LNG-Terminals in Europa und weitere befinden sich in Bau und Planung. Die Zeichen für den flächendeckenden Einsatz von emissionsarmem LNG stehen gut und Europa verfügt so schon heute über eine gut ausgebaute Infrastruktur. Sieben dieser Terminals befinden sich in Nordwesteuropa: in Großbritannien, Nordfrankreich, Belgien und den Niederlanden.

Aktuell verfügt Europa über Import-Terminals (Regasifizierungsanlagen) mit einer Kapazität von 245 Milliarden Kubikmeter, womit etwa 40 Przent des europäischen Erdgasbedarfs gedeckt werden könnten – aktuell sind es 10 Prozent.

In 2017 importierte Europa 65.7 bcm (Billion cubic metres of natural gas) LNG, davon kamen 23,7 bcm aus Katar, 14,1 bcm aus Algerien und 12,2 Prozent aus Nigeria. Aus den USA bezog Europa lediglich 2,6 bcm LNG.

Mehr Importquellen durch Transport per Schiff

Durch die Unabhängigkeit von Pipelines trägt LNG zu einer weiteren Diversifizierung der deutschen Erdgas-Importquellen bei. Hergestellt wird LNG unter anderem in den USA, in Nigeria, Katar und Russland und von dort mit speziellen Schiffen zu Terminals in aller Welt transportiert. Schon 2040 könnten bis zu 60 Prozent des weltweit gehandelten Erdgases in Form von LNG verteilt werden, prognostiziert die Internationale Energieagentur (IEA).

Planungen für ein deutsches LNG-Terminal

Deutschland ist bisher wenig im LNG-Markt positioniert und profitiert hauptsächlich vom europäischen Binnenmarkt. Das soll sich ändern – gerade, weil LNG zum Hoffnungsträger der Verkehrswende, der Wettbewerb im Gassektor gestärkt sowie die Versorgungssicherheit erhöht werden könnte.

Schon im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD hat sich die Bundesregierung klar zum Ausbau von Initiativen zugunsten alternativer Kraftstoffe wie LNG bekannt, um einen umweltverträglichen, wirtschaftlichen und wettbewerbsfähigen Schiffsverkehr sicherzustellen. Eine entsprechende Förderrichtlinie für die Aus- und Umrüstung von Seeschiffen zur Nutzung von LNG wurde 2017 bereits verabschiedet. Und der Bund geht mit gutem Beispiel voran: Als weltweit erstes seegängiges Behördenschiff soll die "ATAIR" für Forschungs- und Vermessungszwecke ab 2020 mit LNG in der Nord- und Ostsee unterwegs sein.

LNG ist verflüssigtes ERDGAS oder auch BIO-ERDGAS, dass per Schiff global transportiert wird. Es kann dann vor Ort direkt als Kraftstoff für Lkw, Busse und See- und Binnenschiffe, als Prozessgas für Industrieunternehmen verwendet oder wieder erwärmt und ins nationale Gasnetz eingespeist werden. Über die Gasnetzinfrastruktur kann es zu den Verbrauchern transportiert und in Heizungsanlagen oder beispielsweise in Blockheizkraftwerken zur Stromerzeugung genutzt werden. Und langfristig, mit der zunehmenden Verfügbarkeit erneuerbarer Gase, wird emissionsarmes LNG sogar CO2-neutral werden.

Quelle: arthitsomsakul/iStock/Thinkstock

Lokale und globale Luftreinhaltung mit LNG

Bei der Verbrennung von LNG in Schiffsmotoren werden nahezu keine Schwefeldioxidemissionen und fast kein Feinstaub verursacht. Auch der Ausstoß von Stickoxiden fällt um etwa 85 Prozent geringer aus. Bei einem Einsatz von LNG in der Binnenschifffahrt könnte so die lokale Schadstoffbelastung von Hafenstädten wie Köln oder Ludwigshafen erheblich verringert werden. Und auch das Klima profitiert, denn die CO2-Emissionen sinken um bis zu 25 Prozent.

Klimabelastung durch den Schiffsverkehr reduzieren

Schon heute werden jährlich über 9 Milliarden Tonnen Güter per Schiff transportiert – Tendenz steigend. Umso wichtiger ist es, so schnell wie möglich Maßnahmen zu ergreifen, die dazu beitragen, einen weiteren Anstieg der von der Schifffahrt verursachten Gesamtemissionen zu vermeiden. Denn trotz aller Bemühungen sind die CO2-Emissionen des Verkehrssektors in Deutschland seit 1990 sogar um 4 Prozent angestiegen. Neben dem Straßenverkehr tragen auch die mehr als 40.000 Handels- und 600 Kreuzfahrtschiffe weltweit maßgeblich zum Ausstoß von Treibhausgasen bei.

Mit LNG zur maritimen Energiewende

Die bisherigen Maßnahmen der Politik zeigen, dass die Bundesregierung das Potenzial von LNG für die Schifffahrt bereits erkannt hat. Auch die ersten deutschen Reedereien haben sich schon für die Umrüstung von Containerschiffen oder den Neubau von LNG-Fähren entschieden. Mit dem weiteren Ausbau der Infrastruktur und der Festlegung einheitlicher Rahmenbedingungen kann die maritime Energiewende also schon heute gelingen. Gute Aussichten also für unsere Luft.