LNG-Antrieb in der Schifffahrt: Potenziale nutzen

LNG: Treibstoff für eine saubere Schifffahrt

Die Schifffahrt spielt eine erhebliche Rolle für den internationalen Güterverkehr. Über 9 Mrd. Tonnen Güter werden jährlich durch Handelsschiffe transportiert – Tendenz wachsend. Damit einher geht ein hoher Schadstoffausstoß. Zum 01.01.2015 wurden die Anforderungen an zulässige Schiffsabgase durch die Bildung von Emission Control Areas (ECA), wozu auch Nord- und Ostsee zählen, verschärft. Der Schwefelgehalt von Kraftstoffen darf hier nur noch 0,1 Prozent betragen. Und bereits heute wird an der Einführung von Grenzwerten für Stickoxide und Ruß gearbeitet.

LNG: Schiffsantrieb der Zukunft

Diese strengeren Umweltvorschriften dienen der deutlichen Reduzierung der lokalen Emissionen. Mit dem üblichen Kraftstoff Schweröl sind die Grenzwerte kaum einzuhalten. Der alternative Treibstoff Schiffsdiesel emittiert zwar deutlich weniger Schadstoffe, bringt aber sehr hohe Treibstoffkosten für die Reeder mit sich. Mit der Einführung der neuen Grenzwerte für Stickoxide und Ruß stellt Schiffsdiesel zudem keine langfristige Alternative dar, denn kostenintensive Nachrüstungen von Abgasreinigungsanlagen wären notwendig.

 

LNG reduziert den Schadstoffausstoß deutlich!
Quelle: C3 Visual Lab

Liqufied Natural Gas – LNG – ist langfristig kosteneffizient und umweltschonend. Im Vergleich zu Schweröl und Schiffsdiesel können durch den Einsatz von LNG die Emissionen und Luftschadstoffe erheblich reduziert werden: Verglichen mit Schweröl werden über 80 Prozent Stickoxid und 25 Prozent CO2 eingespart sowie Schwefeloxide und Ruß um fast 100 Prozent reduziert. Damit erfüllt LNG alle bestehenden und künftigen Grenzwerte. Der Einbau von Anlagen zur Emissionsreinigung wie beim Schiffsdiesel ist nicht notwendig.

In der Studie Greenhouse Gas Intensity of Natural Gas von Thinkstep im Auftrag der NGVA wird aufgezeigt, dass die Well-to-Wake-Emissionen für ein LNG-betriebenes Schiff niedriger sind als die für Schiffe, die entweder mit Schweröl oder Schiffsdiesel betrieben werden: LNG-betriebene Zweitaktmotoren mit Hochdruckeinspritzung weisen einen Vorteil von 21 % im Vergleich zu Schweröl-betriebenen Schiffen auf, während 4-Takt-Motoren 11 % niedrigere Emissionen haben.

LNG beschreibt auf -162 °C gekühltes und verflüssigtes ERDGAS. Durch die damit verbundene Verdichtung können in der Schifffahrt und auch im Straßengüterkehr deutlich höhere Reichweiten erzielt werden.

Saubere Schifffahrt ist möglich

Die skandinavischen Länder und die Niederlande setzen bereits intensiv auf LNG und damit auf eine umweltfreundlichere Schifffahrt. Auch die deutsche Schifffahrt setzt vermehrt auf mit LNG angetriebene Schiffe: Seit Mitte 2015 fährt die "MS Ostfriesland" LNG-betrieben Emden und Borkum an. Die Stadtwerke Konstanz werden ab Frühjar 2020 auf der Route Konstanz-Meersburg Passagiere und Autos dank einer LNG-betriebenen Fähre umweltschonender über den Bodensee transportieren. Und auch die Kreuzfahrtschiffe von AIDA Cruises setzen auf umweltschonende Schiffsantriebe: Ende 2018 wird das erste vollständig mit LNG betriebene Kreuzfahrtschiff AIDAnova in See stechen. Zwei baugleiche Schiffe wurden bereits in Auftrag gegeben.

Investitionen in die Infrastruktur

Die internationale Schifffahrt kann in 2030 potenziell der größte LNG-Verbraucher im Verkehrssektor sein. Um den Trend zu einer nachhaltigere Schifffahrt anhaltend zu gestalten, muss in die notwendige Infrastruktur investiert werden. Die Häfen in Brunsbüttel und Hamburg bieten derzeit die LNG-Bebunkerung von Schiffen im Truck-to-ship-Verfahren an. Der Ausbau der Infrastruktur und die Investition in landseitige Bebunkerungsanlagen sind wichtige Voraussetzungen für die Umsetzung einer umweltschonenden Schifffahrt.

LNG-Importterminal in Deutschland

Die Planungen für den ersten LNG-Importterminal werden konkreter. Als Standort wird für Brunsbüttel geworben. Die German LNG Terminal GmbH hat ein Open-Season-Verfahren gestartet, in dem sie das konkrete Marktinteresse auslotet. Gerade die Nähe zum Hamburger Hafen und die vor Ort ansässigen Industrieunternehmen bieten ein attraktives wirtschaftliches Umfeld für den ersten LNG-Importterminal. Durch den Nord-Ostseekanal sind zudem die skandinavischen und baltischen Länder gut erreichbar. Wenn sich das Konsortium in 2019 für den Bau des LNG-Terminals in Brunsbüttel entscheidet, eröffnen sich ab 2022 weitere Möglichkeiten für eine Diversifizierung der Gasversorgungsquellen in Deutschland und der Zugang zu LNG als emissionsarmer Kraftstoffalternative für Schiffe und Lastkraftwagen wird erleichtert.

Grüne Welle für Kreuzfahrtschiffe

Eine Branche im Umbruch: Immer mehr Reedereien nehmen Kurs auf Öko und rüsten auf umweltfreundlichere Antriebe um. 

Den Urlaub an Bord einer schwimmenden Kleinstadt zu verbringen, liegt im Trend: Seit Mitte der Nullerjahre boomen Kreuzfahrten auch in Europa. Seither jedoch klagen die Bewohner der Hafenstädte, in denen die Kreuzfahrtschiffe festmachen, über schlechte Luft: Ruß, der auf den Rostocker Wochenmarkt rieselt oder schwarze Flocken auf den Eisbechern von Touristen in Lübeck-Travemünde sind unschöne Begleiterscheinungen des Kreuzfahrt-Booms. 

Denn so schick und modern die Schiffe auch daherkommen, in ihrem Inneren tut bis heute in den allermeisten Fällen ein Uralt-Antrieb seinen Dienst: Sämtliche Reedereien nutzen das billige, aber hochgiftige Schweröl als Kraftstoff. Krebserregende Schwefelverbindungen und immense Feinstaubemissionen sind die Folge, denn Rußpartikelfilter sind auf den Ozeanriesen aus Platz- und Kostengründen bislang kaum im Einsatz. 

Nach Berechnungen der Umweltschutzorganisation NABU stößt ein Kreuzfahrtschiff auf einer einzigen Seereise so viele Schadstoffe aus wie fünf Millionen Autos auf der vergleichbaren Strecke. Wobei Frachtschiffe eigentlich die noch viel größeren Schmutzfinken auf den Weltmeeren sind: Sie sind nämlich deutlich in der Überzahl. Kreuzfahrtschiffe machen nach Angaben des Deutschen Reiseverbandes nur etwa 0,6 Prozent der zivilen Schifffahrt aus. Aber sie haben eben auch eine Vorbildfunktion. 

Und so hat in der Branche langsam ein Umdenken eingesetzt: Die Reedereien nehmen Kurs auf Öko. Sämtliche großen Reedereien lassen neue, sparsamere Schiffe bauen und setzen dabei auf Systeme zur Abgasnachbehandlung. Noch einen Schritt weiter geht Aida Cruises und verabschiedet sich vom Schweröl zumindest für eines seiner Schiffe: Im September wird auf der Papenburger Meyer Werft mit der "AIDAnova" das erste mit flüssigem ERDGAS (LNG) betriebene Kreuzfahrtschiff auf Kiel gelegt. Derzeit entsteht auf der Neptun Werft in Rostock das Herzstück des revolutionären Neubaus: die Motoren und die drei gigantischen LNG-Tanks jeder von ihnen ist 35 Meter lang und hat einen Durchmesser von 8,25 Metern. Der Vorrat der drei Gastanks soll für einen 14-tägigen Törn reichen.  

LNG ist durch Abkühlung auf minus 162 Grad Celsius verflüssigtes und komprimiertes ERDGAS mit nur einem Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem ERDGAS. Es gilt als sauberster fossiler Treibstoff, weil bei dessen Verbrennung weder Schwefeldioxide noch Rußpartikel und Feinstaub entstehen und der Ausstoß von Stickoxiden um bis zu 80 Prozent reduziert wird. Die 337 Meter lange und 42 Meter breite AIDAnova bietet mit ihren 2.500 Kabinen Platz für bis zu 6.000 Passagiere. Ab Dezember soll das Schiff zu einwöchigen Kreuzfahrten ab Teneriffa und Gran Canaria ablegen zu "sauberen" Kreuzfahrten, die dank LNG "nahezu vollständig emissionsfrei" sind so steht es im AIDA-Prospekt. 

"Mit der AIDAnova leisten wir Pionierarbeit", betont Felix Eichhorn, CEO von AIDA Cruises. Und die anderen Reedereien ziehen nach: Costa will Anfang kommenden Jahres ebenfalls LNG-betriebene Kreuzfahrtdampfer in Dienst stellen und auch die Disney Cruise Line lässt bereits drei LNG-Schiffe bauen.  

"Eine der zentralen Aufgaben, denen sich AIDA Cruises stellt, ist, Kreuzfahrten nachhaltig zu gestalten", sagt der AIDA-Vorstand. So können die Urlauber dann ganz entspannt im Liegestuhl am Pool auf dem Oberdeck die Sonne genießen und sich auf den nächsten Landgang freuen. Das gute Gewissen schippert mit.  

Gute Aussichten für unsere Luft.