Deutschland braucht ein Ausbauziel für grünes Gas

In einem Blasensäulenreaktor wird aus Erdgas CO2-neutral Wasserstoff gewonnen (Quelle: KIT, Zukunft ERDGAS)

Gasbranche diskutiert Potenzial von Wasserstoff-Projekten für eine kosteneffiziente Energiewende

Grüne Gase im deutschen Erdgasnetz werden einen wichtigen Beitrag zur langfristigen Senkung der CO2-Emissionen leisten. Darüber waren sich die Teilnehmer des Wasserstoff-Workshops einig, den die Brancheninitiative Zukunft ERDGAS gestern in Düsseldorf abgehalten hat. Bei dem Treffen wurden die Perspektiven von Wasserstoff-Projekten in Deutschland mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft und Wirtschaft erörtert. Ein Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Praxisanwendung des vom Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entwickelten Verfahrens zur Dekarbonisierung von Erdgas. 

Die Wissenschaftler des KIT haben ein Verfahren zur Herstellung von Wasserstoff entwickelt, das die Freisetzung von CO2 vermeidet. Dabei wird Erdgas konstant durch hocherhitztes, flüssiges Metall geleitet und so in seine elementaren Bestandteile gespalten. Es entstehen fester Kohlenstoff und gasförmiger Wasserstoff. Der Kohlenstoff ist leicht handhabbar und kann als Industrierohstoff genutzt werden, während der Wasserstoff ins Gasnetz eingespeist werden kann. Für ihren innovativen Ansatz haben die Forscher Ende 2018 den Innovationspreis der Deutschen Gaswirtschaft erhalten. Unter anderem der Energiekonzern Gazprom setzt in seiner Wasserstoff-Strategie auf das neuartige Verfahren.

Auch die Bundesregierung hat das Potenzial von grünem Gas für die Energiewende erkannt und die Markteinführung von Sektorenkopplungs- und Wasserstoff-Technologien als einen Förderschwerpunkt in das 7. Energieforschungsprogramm aufgenommen. Im Februar 2019 startete die Bewerbungsphase für die erste Ausschreibungsrunde der sogenannten „Reallabore der Energiewende“. Sie sollen Innovationen den Übergang vom Entwicklungsstadium zur Marktdurchdringung erleichtern. Zwischen 2019 und 2022 sind dafür Fördermittel von bis zu 100 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen. 

„Ohne grünes Gas wird die Energiewende teuer und kompliziert. Deutschland braucht Wasserstoff, Biomethan und synthetisches Erdgas, um seine Klimaziele so kosteneffizient wie möglich zu erreichen“, so Dr. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft ERDGAS. „Die Reallabore sind ein wichtiger Schritt, um die dafür dringend benötigten Technologien in größerem Maßstab zu demonstrieren. Ich erwarte aber auch, dass durch sie eine Debatte über das Regelwerk beginnt: Die gesetzlichen Schranken, die ein Durchstarten der Grüngas-Verfahren bisher verhindert haben, müssen abgebaut werden. Förderprojekte allein werden aber nicht ausreichen, um die Branche dazu zu bringen, Millionen von Euro in den Ausbau der Technologien zu investieren. Was wir brauchen, ist ein Ausbauziel für grünes Gas und ein daraus erwachsender Markt.“

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