Energiepolitik in der EU


Dezember 2018


Positionspapier ENTSO-E/ENTSO-G

Verbände der europäischen Fernleitungs- und Übertragungsnetzbetreiber ENTSO-G und ENTSO-E wollen Integration von Power-to-Gas-Anlagen in die Netze ermöglichen

In einem gemeinsamen Positionspapier haben sich die europäischen Verbände für die Fernleitungs- und Übertragungsnetzbetreiber für Gas und Strom, ENTSO-G und ENTSO-E, für die verstärkte Nutzung von Power-to-Gas (PtG) in der EU ausgesprochen. ENTSO-G und ENTSO-E sehen in der Technologie eine vielversprechende Möglichkeit zur Integration Erneuerbarer Energien in das Energiesystem. 

So könnten mit PtG-Anlagen die Vorteile von Strom- und Gasnetz miteinander verknüpft werden, die als komplementär zueinander begriffen werden sollten, so die Verbände. Über die bereits bestehende Erdgasinfrastruktur seien die langfristige Speicherung und der Transport Erneuerbarer Energien möglich. Schon heute habe das europäische Gassystem eine Untergrundspeicherkapazität von mehr als 1.100 Terawattstunden. Durch Nutzung dieser vorhandenen Gasinfrastrukturen könne PtG laut Positionspapier die gesellschaftlichen Kosten der Energiewende senken. Für eine Vollelektrifizierung durch direkte Einspeisung von Wind- und Solarstrom müsse dagegen das Stromnetz deutlich ausgebaut werden. PtG sei zudem sowohl in der Industrie als auch im Wärmemarkt ein-setzbar und könne somit die Sektorenkopplung voranbringen.

ENTSO-G und ENTSO-E fordern bis zum Jahr 2030 eine PtG-Kapazität in Gigawatt-Dimensionen in der EU. Dafür müssten rasch Anstrengungen unternommen werden, um die derzeitige Größe von PtG-Anlagen (bis zu 10 MW) mindestens um den Faktor zehn zu steigern. Laut den Verbänden könnten auf diese Weise die Kosten der PtG-Produktion über Skalen- und Lerneffekte deutlich reduziert werden. 

In einem nächsten Schritt sollen nun die netzstabilisierenden Eigenschaften von PtG genauer demonstriert werden. Zudem mahnen die beiden Verbände auch eine Änderung bestehender regulatorischer Rahmenbedingungen an, da PtG bislang nicht ausreichend Berücksichtigung fände. Dies werde laut Europäischer Kommission zentrales Thema des europäischen „Gas-Pakets“ sein, über das im Jahr 2020 entschieden werden soll.

  • Positionspapier: Power to Gas – A Sector Coupling Perspective (ENTSO-G, ENTSO-E, Oktober 2018)

EU: CO2-Flottengrenzwerte

Europäische Gesetzgeber positionieren sich in Debatte um CO2-Grenzwerte für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge sowie für schwere Nutzfahrzeuge

Mit dem von der Europäischen Kommission 2016 gestarteten verkehrspolitischen Prozess ("Europäische Strategie für emissionsarme Mobilität" und Paket "Europa in Bewegung") sind die CO2-Normen für Fahrzeughersteller in den umweltpolitischen Fokus der EU gerückt. Die Europäische Kommission und die europäischen Gesetzgeber Europäisches Parlament und Rat planen derzeit die erstmalige Einführung von CO2-Normen für schwere Nutzfahrzeuge (zulässiges Gesamtgewicht höher als 3,5 Tonnen) und Busse. Daneben sollen auch die bereits bestehenden CO2-Normen für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (zulässiges Gesamtgewicht geringer als 3,5 Tonnen) überarbeitet werden. 

Für Pkw und leichte Nutzfahrzeuge veröffentlichte die Europäische Kommission im November 2017 einen Verordnungsvorschlag, der eine Reduktion der CO2-Emissionen der Herstellerfahrzeugflotten um 15 Prozent bis 2025 und 30 Prozent bis 2030 gegenüber 2021 vorsieht. Zudem beinhaltet der Vorschlag der Kommission eine feste Quote für emissionsfreie und -arme Pkw und leichte Nutzfahrzeuge (2025: 15 Prozent, 2030: 30 Prozent). Als emissionsfrei bzw. -arm gelten qua Definition der Europäischen Kommission Fahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß pro Kilometer von unter 50 Gramm pro Kilometer.

Anfang Oktober 2018 verständigten sich sowohl das Europäische Parlament als auch der Rat auf jeweils eigene Positionen. Während der Rat den Zielwerten der Kommission folgt, fordert das Europäische Parlament ehrgeizigere Ziele. Die europäischen Volksvertreter plädieren für Flottenemissionsgrenzwerte in Höhe von 20 Prozent (2025) und 40 Prozent (2030) sowie für Quoten für emissionsfreie und -arme Pkw und leichte Nutzfahrzeuge in Höhe von 20 Prozent im Jahr 2025 und 35 Prozent im Jahr 2030. Europäisches Parlament, Rat sowie die Europäische Kommission befinden sich seit dem 10. Oktober in Trilogverhandlungen. Ziel ist es, das Dossier bis zu den Europawahlen im Mai 2019 zu schließen.

Der von der Kommission im Mai dieses Jahres veröffentlichte Richtlinienvorschlag bezüglich CO2-Normen für schwere Nutzfahrzeuge sieht eine Reduktion des CO2-Ausstoßes in Höhe von 15 Pro-zent (2025) und 30 Prozent (2030) vor. Als Basis soll aufgrund der Neuregelung hier jedoch das Jahr 2019 dienen. Zudem sollen den Kommissionsplänen zufolge emissionsfreie und -arme schwere Nutzfahrzeuge (CO2-Ausstoß geringer als 350 Gramm pro Kilometer) mit bis zu einem Faktor von zwei auf die CO2-Emissionsgrenzwerte angerechnet werden können.

Auch bei den Grenzwerten für schwere Nutzfahrzeuge zeigt sich das Europäische Parlament ambitionierter und plädiert für Emissionsreduktionsziele in Höhe von 20 Prozent (2025) und 35 Prozent (2030) sowie für feste Quoten emissionsfreier bzw. -armer Nutzfahrzeuge (2025: 5 Prozent, 2030: 20 Prozent). Zudem fordert das Parlament, erneuerbares Gas künftig in der CO2-Bilanz der Lkw-Hersteller anzurechnen.

Die Positionierung der EU-Mitgliedsstaaten steht noch aus und wird am 20. Dezember im Rahmen des Umweltministerrats erwartet. Im Anschluss werden das Europäische Parlament, der Rat sowie die Kommission in die Trilogverhandlungen treten.

  • Artikel: Lkw-Hersteller wettern gegen EU-Pläne (Der Spiegel, 14. November 2018)

Monitoringbericht ACER

Bericht konstatiert Voranschreiten der Integration der EU-Gasmärkte und eine hohe Versorgungssicherheit, nennt aber auch Handlungspotenziale

Die europäische Regulierungsagentur ACER hat ihren jährlichen Monitoringbericht über den EU-Gas-Binnenmarkt für das Jahr 2017 veröffentlicht. Darin bescheinigt die Agentur dem europäischen Gasmarkt eine fortschreitende Integration. So hätten sich die Preise für Erdgas-Importe in den EU-Mitgliedsstaaten zunehmend angeglichen. In den meisten Fällen betrug die Differenz demnach weniger als einen Euro pro Megawattstunde; maximal wurden Unterschiede von 3,5 Euro pro Megawattstunde beobachtet. Vor einigen Jahren waren dagegen noch Preisdifferenzen von etwa 5 Euro pro Megawattstunde üblich.

Auch die Preise an den europäischen Gas-Handelspunkten zeigten dem Bericht zufolge eine wachsende Annäherung, insbesondere in Nord-West-Europa und in zunehmendem Maße auch in Mittel- und Osteuropa. Einzig die Handelspunkte im Mittelmeerraum hätten weniger Preiskonvergenz aufgezeigt, so die Regulierungsbehörde.

ACER bescheinigt den einzelnen Handelsregionen eine unterschiedliche Marktreife. So fordert die Agentur in Südosteuropa, in Schweden, Finnland und Irland die Entwicklung von Maßnahmen, die die Entstehung eines funktionsfähigen Handelspunktes ermöglichen. Auch bestehende Handelspunkte müssten laut ACER in vielen Fällen weiterentwickelt werden. So sei ausreichend Liquidität auf dem Terminmarkt einzig an der niederländischen TTF sowie der britischen NBP gegeben. Zudem könne der Zusammenschluss von Handelspunkten wie dem Baltikum oder der iberischen Halbinsel die Liquidität erhöhen.

Insgesamt sieht ACER im europäischen Gasmarkt eine hohe Versorgungssicherheit gewährleistet. So sei das System auch bei Störungen oder schwierigen Wetterverhältnissen meist belastbar. Auch Transportengpässe zwischen den EU-Staaten konnten dem Bericht zufolge weitgehend beseitigt werden. Nur in Südeuropa bestünde laut der Regulierungsbehörde noch Handlungsbedarf.

ACER empfiehlt im Monitoring-Bericht zudem, ein neues EU-Gas-Paket an dem derzeitigen Regulierungsrahmen zu orientieren. Dieses habe positive Ergebnisse gebracht. Ein solches Paket solle auch eine klare Vision für die Rolle von ERDGAS sowie erneuerbaren Gasen enthalten. Eine neue Gas-Initiative wird auf EU-Ebene derzeit ausgearbeitet. Nach jetzigem Zeitplan soll sie aber erst im Jahr 2020 von der Europäischen Kommission umgesetzt werden.

  • Bericht: ACER Market Monitoring Report 2017 – Gas Wholesale Markets Volume (Acer, 3. Oktober 2018)

September 2018


Kraft-Wärme-Kopplung

Die Europäische Kommission verlängert die ursprünglich bis Ende 2017 wirkende EEG-Umlage-Regelung für die KWK-Eigenversorgung bis Ende 2018; eine Rückerstattung gezahlter EEG-Umlagebeträge erfordert jedoch die Umsetzung in nationales Recht

Die Europäische Kommission hat am 1. August die von Deutschland geplante EEG-Umlage-Ermäßigung für die Eigenversorgung durch KWK-Anlagen, die zwischen August 2014 und Dezember 2017 in Betrieb gingen, für einen Übergangszeitraum bis Ende 2018 genehmigt. Anfang Mai hatten sich Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) und EU-Wettbewerbskommissarin Vestager bereits auf eine diesbezügliche Grundsatzvereinbarung verständigt – ein Schritt, der sowohl seitens der Politik, u. a. der Wirtschaftsministerkonferenz, als auch der KWK-Branche begrüßt wurde.

Die Entscheidung sieht vor, dass Anlagen mit einer Leistung von unter einem und über zehn Megawatt, die zwischen August 2014 und Dezember 2017 in Betrieb gingen, eine reduzierte EEG-Umlage in Höhe von 40 Prozent zahlen, sofern sie hocheffizient im Sinne des EU-Hocheffizienzkriteriums sind und ihr Jahresnutzungsgrad mehr als 70 Prozent beträgt. 

Für Anlagen mit einer Erzeugungskapazität zwischen einem und zehn Megawatt kann die reduzierte Umlage nur für die ersten 3.500 Volllaststunden in Anspruch genommen werden. Für darüber hinausgehende Strommengen sieht die Kommission eine gestaffelte Übergangsregelung je nach dem Jahr der Inbetriebnahme der Anlage vor. Dies führt dazu, dass die EEG-Umlage im Jahresmittel auf bis zu 100 Prozent ansteigen kann, sofern die Anlage 7.000 Stunden oder mehr im Jahr in Betrieb ist.

Für KWK-Anlagen mit einer Leistung von unter einem und über zehn Megawatt, die im Jahr 2018 in Betrieb gingen, gilt die reduzierte Umlage in Höhe von 40 Prozent zudem nur, falls sie gasförmige Brennstoffe einsetzen.

Ungeachtet des Beschlusses der Europäischen Kommission müssten Nutzer von Eigenstrom aus KWK-Anlagen vorerst jedoch weiterhin die volle EEG-Umlage zahlen und könnten noch keine Rückerstattung der bereits zu viel geleisteten EEG-Umlage erhalten, gab Altmaier nach der Entscheidungsverkündigung zu verstehen. Zunächst müsse die von der Kommission genehmigte Regelung in nationales Recht umgesetzt werden. 

Eine nationale Einigung und eine anschließende Prüfung nach den EU-Beihilfevorschriften werden auch notwendig sein, damit eine Ermäßigung der EEG-Umlage auch nach Ablauf der Übergangsfrist ab Januar 2019 möglich sein wird.

Wann und ob es überhaupt zu einer diesbezüglichen Einigung in Deutschland kommt, ist derzeit aber noch ungewiss. Union und SPD konnten sich bisher nicht zu einem Kompromiss im sogenannten 100-Tage-Gesetz (EEG-KWKG-Änderungsgesetz) durchringen. Umweltministerin Schulze (SPD) drängt auf die im Koalitionsvertrag vereinbarten Sonderausschreibungen bei Erneuerbaren Energien. Bundeswirtschaftsminister Altmaier (CDU) beruft sich hingegen auf den im Koalitionsvertrag verankerten Passus der "Aufnahmefähigkeit der Netze" und lehnt mit dem Argument möglicher Netzengpässe zusätzliche Sonderausschreibungen für Erneuerbare Energien ab.

Pressemitteilung: Kommission genehmigt deutsche Förderregelung für Eigenversorgung durch hocheffiziente Kraft-Wärme-Kopplung (Europäische Kommission, 01.08.2018)

Mitteilung: Reductions on EEG-surcharges for self-supply of electricity in high energy effi-cient cogeneration installations that entered into operation after July 2014 (Europäische Kommission, 01.08.2018)


EU-Gasrichtlinie

Die Verhandlungen zwischen den Vertretern der Mitgliedsstaaten in Brüssel gehen nicht voran, womit eine Umsetzung des Gesetzesvorhabens erst im nächsten Jahr wahrscheinlich scheint

Der Abstimmungsprozess über die Novellierung der EU-Gasrichtlinie stockt. Konsultationen zum eingereichten Anpassungsentwurf der bulgarischen EU-Ratspräsidentschaft zur Revision der EU-Gasrichtlinie endeten ergebnislos. Nachdem sich die nationalen delegierten Fachexperten nicht hatten einigen können, fanden auch die ständigen Botschafter in Brüssel keinen Konsens.

Die von der Europäischen Kommission im Herbst 2017 initiierte Reform der Gasrichtlinie hat zum Ziel, gleiche Bedingungen für alle Gaspipelines innerhalb der EU sowie für solche aus und in Drittstaaten zu schaffen. Damit würde die Europäische Kommission auch die Pipelines den Regeln des EU-Binnenmarkts unterwerfen können, die Drittstaaten mit der EU verbinden. 

Im März 2018 reichte die bulgarische EU-Ratspräsidentschaft Änderungswünsche zur Gesetzesnovelle ein. Aufbauend auf Gutachten des juristischen Diensts des Ministerrats sahen diese u. a. vor, dass die Gasrichtlinie nur auf Ferngasleitungen anzuwenden ist, die durch Territorialgewässer von EU-Mitgliedsstaaten verlaufen. Zudem sollten für bestehende Pipelines Ausnahmen der Regelung für 20 Jahre statt – wie im Kommissionsentwurf vorgesehen – für fünf Jahre möglich sein.

Wann es letztlich zu einer Einigung im Ministerrat kommt, ist derzeit ungewiss. Österreich, das die derzeitige EU-Ratspräsidentschaft innehat, zeige keine Ambitionen, das Thema weiter voranzubringen, berichten Diplomaten in Brüssel. 

Eine weitere Verzögerung der Verhandlungen könnte der deutschen Bundesregierung dabei zu Gute kommen. Deutschland hatte sich bereits früh gegen die Revision der Gasrichtlinie ausgesprochen, da damit die Regulierung des Betriebs der Pipeline "Nord Stream 2" in die Befugnisse der EU übergehen würde. Die Europäische Kommission hatte Bedenken gegen die Pipeline geäußert, da sie dem Aufbau einer europäischen Energieunion schade und Abhängigkeiten schaffe.


Juni 2018


CO2-Regulierung bei Pkw und leichten Nutzfahrzeugen, sowie erstmals Festlegung für Lkw

Mit ihrem 2. Mobilitätspaket hat die EU-Kommission im November einen Vorschlag für schärfere CO2-Grenzwerte für Autos und leichte Nutzfahrzeuge beschlossen. Das 3. Mobilitätspaket regelt erstmals die Festlegung von CO2-Standards für schwere Nutzfahrzeuge

Juni 2018. Aktuell greifen die Regeln für Autos und leichte Nutzfahrzeuge bis 2021. Die neuen, im Rahmen des zweiten Mobilitätspakets, beschlossenen Zielvorgaben bauen auf diesen Werten auf. Neuwagen sollen bis zum Jahr 2025 im Durchschnitt zunächst 15 Prozent weniger CO2 ausstoßen, bis 2030 soll dann eine Reduktion um 30 Prozent erreicht werden. Ausgangspunkt ist der Ausstoß von 95 Gramm CO2 pro Kilometer bei Pkw und 147 Gramm bei leichten Nutzfahrzeugen.

Herstellern, die ihre Zielvorgaben verfehlen, drohen erhebliche Strafen. Die EU sieht 95 Euro für jedes zu viel emittierte Gramm CO2 vor – und zwar pro Auto. Darüber hinaus will die Kommission, dass die Hersteller bis 2030 möglichst 30 Prozent Neuwagen mit Elektro- oder anderen alternativen Antrieben auf die Straße bringen. 

Im Rahmen der Trilog-Verhandlungen wurde im Europäischen Parlament die Verantwortung für den Vorschlag an den Ausschuss für Umweltfragen, öffentliche Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (ENVI Committee) übergeben. Ein erster Zwischenbericht wurde am 16. April 2018 vorgelegt. Ergebnis dieser Betrachtung ist u.a. ein Vorschlag für strengere Emissionsreduktionsziele: 25 Prozent ab 2025 sowie 50 Prozent ab 2030 and sowie eine Vorgabe für den Anteil der emissionsfreien und emissionsarmen Fahrzeuge mit 25 Prozent ab 2025 sowie 50 Prozent ab 2030.

Das ENVI Committee hat sich am 16. Mai 2018 mit dem Zwischenbericht befasst. Zwischenzeitlich konnten Mitglieder des Europäischen Parlaments dazu Abänderungsanträge einreichen. Die Reaktionen dazu sind gespalten, der Bericht erhält jedoch starken Rückhalt von den Grünen, sowie den Sozialdemokraten. Auch die Reaktionen der Mitgliedsstaaten sind gemischt. Während Frankreich, Italien und Spanien eine Anhebung der vorgeschlagenen CO2-Standards befürworten, kommt Gegenwehr vor allem durch Tschechien, die Slowakei, Ungarn und Rumänien. Eine Entscheidung des ENVI Committees zu dem Vorschlag soll am 10. September 2018 erfolgen, während im Europäischen Parlament dann in einer Plenartagung einen Monat später darüber abgestimmt wird. 

Mit der Veröffentlichung des dritten Mobilitätspakets Mitte Mai erfolgte die erstmalige Festlegung von CO2-Standards für schwere Nutzfahrzeuge. Während für PKW und Lieferwagen solche Grenzwerte bereits existieren, waren Lkw davon bislang ausgenommen. 2025 müssen die durchschnittlichen CO2-Emissionen von Trucks 15 Prozent niedriger sein als 2019. Im Jahr 2030 soll die Reduzierung der Emissionswerte mindestens 30 Prozent betragen. Beim nächsten Rat der Verkehrsminister müssen nun die Positionen der Mitgliedsstaaten geklärt werden, damit die Trilog-Verhandlungen zwischen der Kommission, dem EU-Parlament und dem Rat der Europäischen Union zu den CO2-Standards für schwere Nutzfahrzeuge schnell aufgenommen werden können. 

Status Quo zum Gesetzgebungsverfahren in Brüssel: 

Zweites Mobilitätspaket:

Drittes Mobilitätspaket: 


März 2018


Einigung EU-Gebäudeeffizienz-Richtlinie

Die EU will CO2-Emissionen im Gebäudebestand bis 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren und sieht hierfür u. a. die Entwicklung nationaler Fahrpläne der Mitgliedsstaaten vor

März 2018. Der europäische Gebäudebestand soll bis 2050 nahezu klimaneutral sein. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich der Trilog aus Kommission, Parlament und Ministerrat nach drei Verhandlungsrunden im Dezember 2017 auf eine Reform der EU-Gebäudeeffizienzrichtlinie geeignet.

Um die geplante CO2-Reduzierung im Gebäudebestand von 80 bis 95 Prozent bis 2050 gegenüber 1990 zu erreichen, sehen die Regelungen auch eine Verbesserung der Energieeffizienz von Gebäuden vor.

Hierfür sollen die Mitgliedsstaaten unter anderem nationale Fahrpläne zur Senkung der CO2-Emissionen entwickeln. Insbesondere für größere Gebäude soll dabei eine Energieeffizienzsteigerung durch den Einsatz von Automatisierungs- und Steuerungssystem erzielt werden. Hierfür ist auch eine Förderung vorgesehen. Inwieweit der Einbau dieser Systeme verpflichtend gemacht wird, hängt davon ab, ob dies als technisch und wirtschaftlich realisierbar eingeschätzt wird.

Daneben soll die Europäische Kommission bis 2019 einen sogenannten "Intelligenzfaktor" entwickeln. Dieser soll erkennbar machen, inwieweit Gebäude die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, um mit digitalen Systemen Energieeinsparungen zu erzielen.

Zudem werden die Mitgliedsstaaten zur regelmäßigen Durchführung von Inspektionen von Heizungs- und Klimaanlagen mit mehr als 70 kW verpflichtet. Damit soll deren Effizienz und Leistung optimiert werden. Den Mitgliedstaaten wird dabei die Verantwortung für die Ausgestaltung der Inspektionen sowie deren Häufigkeit übertragen.

Auch die Regelungen für die Elektromobilität sind von den neuen Regelungen betroffen. So ist beispielsweise für Nicht-Wohngebäude mit mehr als zehn Stellplätzen, die neu gebaut oder umfangreich renoviert werden, mindestens eine Ladesäule einzurichten. Daneben soll auch die Installation einer Vorverkabelung für Ladepunkte für jeden fünften Stellplatz verpflichtend werden.

Vorschlag für eine Reform der EU-Gebäudeeffizienz-Richtlinie


Europäischer Emissionshandel

EU-Rat und -Parlament einigen sich auf Reform für die vierte Handelsperiode von 2021 bis 2030 mit deutlich weniger CO2-Zertifikaten im Markt als bisher

März 2018. Um die CO2-Emissionen in der EU deutlich zu senken, hatte das Europäische Parlament nach mehr als zwei Jahren Verhandlungen Anfang Februar 2018 mit großer Mehrheit eine Reform des Europäischen Emissionshandels (ETS) für dessen vierte Handelsperiode (2021 bis 2023) beschlossen. Nun hat der Europäische Rat die Reform ebenfalls am 27. Februar angenommen, wodurch diese ihren förmlichen Abschluss gefunden hat.

Seit 2005 muss ein Großteil der europäischen Industrie und Energiewirtschaft für jede ausgestoßene Tonne CO2 ein Emissionszertifikat im ETS erwerben. Die Menge der zur Verfügung stehenden Zertifikate wird dabei jährlich reduziert. Durch diese Verknappung sollen der Preis erhöht und somit Anreize für Unternehmen geschaffen werden, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren. Aufgrund der geringen Preise bestanden diese Anreize bis jetzt jedoch kaum.

Ab 2021 sollen die erlaubten Gesamtemissionen jährlich bis 2030 um 2,2 Prozent sinken, was einer jährlichen Reduktion von circa 48 Millionen Zertifikaten entspricht. Zuvor hatte der Kürzungsfaktor bei 1,74 Prozent gelegen. In der vierten Handelsperiode soll so die Gesamtmenge der zur Verfügung stehenden Zertifikate von 1,8 Milliarden auf 1,3 Milliarden sinken. Zusätzlich sind ab 2024 weitere Verschärfungen des Kürzungsfaktors möglich.

Daneben soll die 2019 in Kraft tretende Marktstabilitätsreserve, in der nicht versteigerte Zertifikate gespeichert werden können, durch Löschung eingespeister Zertifikate verkleinert werden. Gleichzeitig wird die jährliche Menge überschüssiger Zertifikate, die in die Reserve überführt wird, auf 24 Prozent verdoppelt. Damit soll der Abbau überschüssiger Zertifikate deutlich beschleunigt werden.

Mit der Verknappung verfügbarer Zertifikate sollen CO2-Emissionen im ETS-Sektor merkbar teurer werden. Analysten gehen davon aus, dass sich der Preis pro Tonne CO2 von rund 8,50 Euro mittelfristig auf 35 Euro erhöhen wird. Durch den entstehenden Sparanreiz sollen bis 2030 im Vergleich zu 2005 43 Prozent weniger Emissionen im ETS-Sektor ausgestoßen werden. Besonders energieintensive Unternehmen erhalten weiterhin kostenlose Zertifikate zugeteilt, solange sie auf dem neuesten technischen Stand produzieren.

ZDF Artikel "EU-Parlament für Emissionshandel-Reform"

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