Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft

Preisverleihung am 22.11.2018

Der INNOVATIONSPREIS DER DEUTSCHEN GASWIRTSCHAFT wurde im November 2018 zum 20. Mal vergeben. Unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Bildung und Forschung zeichneten BDEW, ASUE, DVGW und Zukunft ERDGAS kreative Gastechnologien aus. Wintershall unterstützte den Wettbewerb als Sponsor. 

Um unsere Klimaziele zu erreichen und die Energiewende weiter voranzutreiben, benötigen wir Innovationen. Die prämierten Projekte sind Ausdruck eines ausgeprägten Engagements der Teilnehmer für Klimaschutz und Ressourcenschonung.

Mit dem Innovationspreis sendet die deutsche Gaswirtschaft das Signal, sich durch die Förderung von Innovationen zukunftsfest aufzustellen. Sie unterstützt mit dem Preis jedoch nicht nur kreative Ideen, die bei der nachhaltigen Ausrichtung unseres Energiesystems und der Entwicklung neuer Geschäftsmodelle helfen. Sondern sie fördert auch die Gründerkultur in Deutschland, indem sie dieses Jahr einen Sonderpreis für Start-ups auslobt.

Mehr als 50 Vorhaben haben sich 2018 für den Innovationspreis beworben.

Tagungsguide Innovationspreis

Kategorie: Forschung & Entwicklung

An den Universitäten arbeiten junge Forscherinnen und Forscher an der Optimierung von bestehenden Verfahren und Technologien und prüfen ganz neue Ansätze auf ihre Machbarkeit – auch solche zur zukunftsweisenden Anwendung von ERDGAS und erneuerbaren Gasen. Der Innovationspreis prämiert in dieser Kategorie regelmäßig Studien, Projekte und Ausarbeitungen, die ein hohes Innovationspotenzial und gute Aussichten auf eine tatsächliche Umsetzung haben.

Gewonnen hat: Karlsruher Institut für Technologie (KIT) zusammen mit dem Institute for Advanced Sustainable Studies (IASS) – Dekarbonisierung von ERDGAS

Bei der Dampfreformierung in der chemischen Industrie wird Wasserstoff über die Aufspaltung von Methan in Wasserstoff (H2) und Kohlendioxid (CO2) erzeugt. CO2 gilt als maßgeblich verantwortlich für den Klimawandel. Das Forschungsprojekt, das gemeinsam vom Karlsruher Institut für Technologie und dem Institute for Advanced Sustainability Studies e. V. (Potsdam) durchgeführt wurde, hatte deshalb das Ziel, Methan zu dekarbonisieren und Wasserstoff noch umweltschonender herzustellen. Dies gelingt durch Einbindung eines Blasensäulenreaktors, der mit geschmolzenem Metall gefüllt ist. Bei 1.200 °C werden dort Wasserstoff und fester Kohlenstoff produziert. Der Kohlenstoff fällt als festes, schwarzes Granulat an und kann sicher gelagert und später genutzt werden. 

Zum KIT

Kategorie: Effiziente Energiekonzepte

Bei der Wärmewende geht es häufig darum, Wärme und Strom aus verschiedenen Quellen aufeinander abzustimmen. In der Kombination von Technologien, Verfahren und Prozessen – also in multivalenten Energiekonzepten – liegt die Chance zum Erreichen höchster Wirkungsgrade. Dabei müssen die Kosten von Bau und Betrieb überschaubar bleiben und das Projekt muss ein hohes Maß an Versorgungssicherheit bieten.

Gewonnen hat: Stadtwerke Augsburg – Power-to-Gas-Anlage als Wärmequelle in saniertem Mehrfamilienhaus

Bei dieser Smart-Energy-Technologie stellt eine PV-Anlage auf dem Dach eines sanierten Wohnblocks Strom für die Mieter zur Verfügung. Mit dem nicht genutzten erneuerbaren Strom wird Wasserstoff erzeugt, der anschließend in regeneratives Erdgas umgewandelt und gespeichert wird. Bei Bedarf wird das Gas in Blockheizkraftwerken und Brennwertkesseln in Strom und Wärme für die Mieter umgewandelt. Die Anlage der Stadtwerke Augsburg erreicht einen bis zu 100 Prozent emissionsfreien Betrieb und außerdem einen Anlagenwirkungsgrad von bis zu 90 Prozent.

Zu den Stadtwerken Augsburg

Kategorie: Sonderpreis Start-up

Gesucht wurden innovative und energieeffiziente Projekte, Anwendungen und Verfahren sowie Mobilitätsprodukte mit einem Bezug zu Gas und losgelöst von etablierten Unternehmen. Neben der Forderung nach einer Gasanwendung hat diese Kategorie keine technologischen Einschränkungen. Nicht nur die technologisch-wissenschaftlichen Kenntnisse wurden durch die Jury bewertet, sondern auch die betriebswirtschaftlichen Fähigkeiten und nachhaltigen Marketingansätze.

Gewonnen hat: INERATEC – Power-to-Gas im Containerformat

Das Unternehmen hat eine kompakte chemische Reaktortechnologie für Power-to-X- und/oder Gas-to-X-Anlagen für den Einsatz in Standard-Containerformaten optimiert. Durch die Technologie können Wasserstoff oder methanhaltige Gase in synthetische Kraftstoffe oder chemische Wertprodukte wie sauberes Benzin, Kerosin oder Wachse dezentral umgewandelt werden. Diese können in der chemischen, pharmazeutischen und kosmetischen Industrie eingesetzt werden. Alternativ lässt sich die Energie in flüssigen und festen Kohlenwasserstoffen speichern. 

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Kategorie: Innovative Produkte

In dieser Kategorie würdigen wir den Mut zur Umsetzung innovativer Ansätze von Produkten, die ERDGAS oder Biomethan besonders effizient und emissionsarm nutzen. Ihre technologische Entwicklung befindet sich mindestens in der Erprobungs-, aber maximal in der Markteinführungsphase. Außerdem liefern sie wirksame Impulse für die erfolgreiche Umsetzung der Energie- und Wärmewende.

Gewonnen hat: boostHEAT – Thermisch angetriebene Gaswärmepumpe

Gaswärmepumpen nutzen Umweltwärme aus Luft, Erde oder Sonne zur Erzeugung von Heizwärme. Mit der patentierten thermischen Kompression ist die Wärmepumpe von boostHEAT noch einmal deutlich effizienter als andere Systeme. Die Heizung nutzt einen neuartigen patentierten thermischen Verdichter sowie CO2 und Wasser als umweltfreundliche Kühlmittel in zwei getrennten Kreisläufen. Der jährliche saisonale Brennstoffnutzungsgrad beträgt bis zu 200 Prozent (Summe aus Verbrennungs- und Umweltwärme). Der Energieverbrauch sinkt um bis zu 65 Prozent, entsprechend groß ist die CO2-Einsparung. Außerdem ist die thermische Kompression nahezu verschleißfrei, langlebig und leise.

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Kategorie: Mobilität und Verkehr

Der Verkehrssektor hat für das Erreichen der CO2-Emissionsziele eine entscheidende Bedeutung. Mit dem in dieser Kategorie vergebenen Preis erkennt die Jury Projekte, Ideen und Initiativen an, die einen Beitrag für die weitere Verbreitung von ERDGAS/Biomethan als CO2-armen und stickstofffreien Kraftstoff in der Mobilität leisten.

Gewonnen hat: AIDA Cruises – Umweltschonendes LNG als Treibstoff in der Kreuzschifffahrt (AIDAnova)

Die AIDAnova ist das weltweit erste Kreuzfahrtschiff, das nicht mit Schweröl oder Schiffsdiesel, sondern mit Liquefied Natural Gas (LNG), also verflüssigtem ERDGAS angetrieben wird. Die drei Bordtanks fassen 3.550 m³ LNG und sichern die Versorgung des Schiffs für etwa 14 Tage. Der Ausstoß von Feinstaub und Schwefeloxiden wird beim Antrieb der vier Dual-Fuel-Motoren an Bord vollständig vermieden. Die Stickoxid- und CO2-Emissionen verringern sich massiv.

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