Einer Versorgungslücke mit dem richtigen Design des Strommarkts begegnen

Das Strommarktdesign muss neu ausgerichtet werden; Quelle: Stadtwerke Düsseldorf

Deutschland benötigt neue Gaskraftwerke, um die sich abzeichnende Lücke im deutschen Strommarkt zu schließen: 2030 droht nach Berechnungen des Energiewirtschaftlichen Instituts der Universität zu Köln (EWI) eine Unterversorgung von bis zu 45 Gigawatt (GW), wenn nicht rechtzeitig gegengesteuert wird. Grund ist vor allem der Ausstieg aus Kernenergie und Kohle, der ein Vakuum an gesicherter Leistung als Ergänzung zur volatilen Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien hinterlässt.

Gaskraftwerke können dieses Vakuum schließen. Sie sind nicht nur emissionsarm (bis zu 70 Prozent weniger CO2 als Braunkohlekraftwerke), sondern auch wenig störanfällig und hochflexibel: Gasturbinen-Kraftwerke und Gas-und-Dampfturbinen-Kraftwerke laufen schon 10 bzw. 15 Minuten nach dem Anfahren auf voller Leistung.

Aktuelles Tempo des Gaskraftwerkzubaus noch nicht ausreichend

Die Marktsituation für Gaskraftwerke hat sich im Zuge des Fuel Switches von Kohle zu Gas bereits verbessert: Die Anlagen sind besser ausgelastet und damit wirtschaftlich tragfähig, auch neue Gaskraftwerke werden gebaut. Doch der aktuelle Zubau und die bisher bekannten Planungen für neue Kraftwerke reichen noch nicht aus, um die skizzierte Versorgungslücke zu schließen.

Versorgungssicherheit wird im Strommarkt derzeit nicht vergütet

Dazu tragen die aktuellen Marktbedingungen entscheidend bei. Der Strommarkt in Deutschland ist ein Energy-only-Markt, das heißt: Der Strompreis bildet sich ausschließlich aus Angebot und Nachfrage der tatsächlichen Stromerzeugung. Gaskraftwerke sind als regelbare Erzeugungsanlagen dazu in der Lage, Kapazitäten vorzuhalten und anzubieten, die zur Absicherung von Engpasssituationen erforderlich sind. Im Energy-only-Markt wird diese Dienstleistung aber nicht vergütet. Investoren haben deshalb keinen Anreiz, in solche Kraftwerkskapazitäten zu investieren, die zum Beispiel auch bei einer Dunkelflaute bereitstehen, wenn die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien nicht ausreicht. Unter diesen Bedingungen können Gaskraftwerke nur zu Spitzenlastzeiten wirklich wirtschaftlich arbeiten, wenn der Strompreis punktuell in die Höhe schießt. 

Neben dem Klimaschutz ist auch ein gesellschaftlich akzeptables Versorgungssicherheitsniveau wichtig. Es ist allerdings unklar, ob der in Deutschland geltende Energy-only-Markt auch zukünftig ein solches Niveau gewährleisten kann. 

Den bisher praktizierten Energy-only-Markt sinnvoll ergänzen

Um den notwendigen Zubau anzureizen, sollte das Marktdesign ergänzt werden, beispielsweise durch Mechanismen von Kapazitätsmärkten, wie sie in vielen europäischen Ländern üblich sind: Dort können Kraftwerke ihre vorgehaltene Kapazität anbieten, die Betreiber werden dafür entweder direkt vergütet (Spanien) oder die Kapazitäten werden auf einem speziellen Markt gehandelt (z. B. Frankreich). Eine europaweite Harmonisierung inklusive der Einführung eines Kapazitätsmarkts auch in Deutschland würde einerseits den Bau zusätzlicher emissionsarmer Gaskraftwerke beflügeln und damit die Versorgungssicherheit langfristig erhalten. Andererseits könnte dies den administrativen Aufwand im EU-Binnenmarkt für Energie reduzieren und allen Marktteilnehmern einen fairen Zugang zu gleichen Bedingungen ermöglichen.

Die Diskussionen zu einem Redesign des deutschen Strommarkts sind notwendig und sie sollten schnell geführt werden. Für Planung, Genehmigung und Bau eines neuen Gaskraftwerks werden zwischen fünf und acht Jahren veranschlagt. Es bleibt also nicht mehr viel Zeit, um auch im Jahr 2030 eine gesicherte Stromerzeugung zu gewährleisten.

Mit der von uns in Auftrag gegebenen EWI-Studie "Diskussion zukünftiger Herausforderungen von Versorgungssicherheit im Strommarkt 2.0" hat Zukunft ERDGAS im Dezember 2019 eine wichtige Grundlage für die Debatte um das Strommarktdesign der Zukunft geschaffen. Ihre Ergebnisse und die Diskussion möglicher Kapazitätsmechanismen liefern eine Basis für eine auch langfristig zuverlässige und wirtschaftlich tragfähige Stromversorgung in Deutschland.

Maßnahmen für mehr Versorgungssicherheit

Wie ein zukunfsfähiges Design für den deutschen Strommarkt aussehen kann, stellen wir in der der Broschüre vor.

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