Braunkohleausstieg – Bedeutung von Gaskraftwerken für Energiewende

Studie zeigt, dass Klimaziele 2020 im Stromsektor bis 2023 erreicht werden können, wenn im Strommix Braunkohle zum Teil durch Gas und Steinkohle ersetzt wird

Aurora Energy Research hat im Auftrag von Zukunft ERDGAS analysiert, wie sich die Abschaltung zusätzlicher Braunkohlekapazitäten auf den CO2-Ausstoß auswirken würde. Ergebnis der Studie ist, dass Deutschland sein Klimaziel 2020 – minus 40 Prozent CO2-Emissionen im Stromsektor gegenüber 1990 – bei entsprechender Abschaltung von Braunkohle bis 2023 noch erreichen kann. Dies bedeutet: Je weniger Braunkohle-, desto mehr Gaskraftwerksleistung etabliert sich im Strommix.

Der Ausstieg aus der Braunkohle spart CO2.

Aurora vergleicht in drei Szenarien die Fortführung der Stromerzeugung auf Basis des Status Quo ("Business-as-usual") mit der zusätzlichen Abschaltung von fünf bzw. neun Gigawatt Braunkohle-Erzeugungsleistung im Jahr 2023. Die letztgenannten Szenarien führen dabei zu einer Reduktion der Energieerzeugung durch Braunkohle um 34 bzw. 59 Terawattstunden. Um den Strombedarf decken zu können, müsse im Gegenzug die gas- und steinkohlebasierte Stromerzeugung steigen. Für Gaskraftwerke geht damit laut Studie eine erhöhte Erzeugungskapazität von einem bzw. zwei Gigawatt einher. Zudem steige die Auslastung von Gaskraftwerken von 28 Prozent im "Business-as-usual"-Szenario auf 38 Prozent bzw. 45 Prozent. Zusätzlich zum Fuel Switch würde laut Aurora Strom etwa die Hälfte der wegfallenden Braunkohleverstromung durch Importe ersetzt werden.

Durch die in der Studie angenommenen Abschaltung von Braunkohlekapazitäten in Höhe von fünf bzw. neun Gigawatt sinken laut Studie die CO2-Emissionen des Stromsektors im Vergleich zum Referenzszenario um 10 Prozent (32 Millionen Tonnen CO2) bzw. 18 Prozent (58 Millionen Tonnen CO2) bis zum Jahr 2023. Damit ließe sich im Jahr 2023 für die Stromerzeugung eine CO2-Minderung von bis zu 43 Prozent im Vergleich zu 1990 erzielen, womit Deutschland das ursprünglich für 2020 angedachte Klimaziel in der Stromerzeugung erreichen könne.

Die Versorgungssicherheit bliebe laut Aurora trotz gleichzeitigem Atomausstiegs gewährleistet. Neben der zu erwartenden gesteigerten Leistung Erneuerbarer Energien könne auf bestehende regelbare Leistung zurückgegriffen werden. Der Preis für Börsenstrom würde durch die zusätzliche Abschaltung von Braunkohlekapazitäten um maximal 0,4 Cent pro Kilowattstunde steigen, so die Studienautoren.

Fazit: Die Vorschläge der Kommission über die Stilllegung von knapp 13 GW Kohle stützen die Ergebnisse der Studie. Das Klimaziel 2020 wird mit wenig Verspätung erreichbar werden. Abzüglich der ohnehin erwarteten Rückbauten an Kohlekraftwerken würden laut Kommissionsbericht bis 2022 rund 7 Gigawatt Kohlekraftwerksleistung zusätzlich vom Netz gehen. Die Analyse von Aurora zeigt, dass durch eine höhere Auslastung der Gas- und Steinkohlekraftwerke bis 2023 sogar bis zu 9 Gigawatt Braunkohle stillgelegt werden könnten.

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs
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