Emissionsarme Stromerzeugung: Achillesferse Stromwende

Deutschland will die Energiewende. Milliarden werden dafür in Wind- und Sonnenkraft investiert. Aber die Klimaziele 2020 – eine 40%ige CO2-Reduktion gegenüber 1990 – werden damit trotzdem nicht erreicht. Die Erfolge des Ökostroms werden aufgefressen, weil die Emissionen in der konventionellen Stromerzeugung zu hoch sind. Die größten Fortschritte beim Emissionsabbau gelangen bereits in den 90er-Jahren durch den Umbau der Industrie und Energiewirtschaft in den neuen Bundesländern. In den letzten Jahren findet keine nennenswerte Reduktion der CO2-Emissionen mehr statt. Deutschland befindet sich weit außerhalb des Zielkorridors. Lediglich die privaten Haushalte erreichen die angestrebte Zielmarke. Aber das ist kein Verdienst der Politik, sondern der verantwortungsbewussten Verbraucher in Deutschland.

Etwa 38 Prozent unseres Stroms kommen heute aus regenerativen Quellen (Brutto-Stromerzeugung, AG Energiebilanzen). Klingt nach einer Erfolgsgeschichte. Ist es aber nicht. Denn die Stromerzeugung läuft noch immer mehrheitlich über emissionsstarke Energieträger. Und das seit Jahren mit ungefähr gleichbleibendem Anteil.

Bittere Wahrheit: Wir verschenken unser Klimaschutzpotenzial

Deutschland verfügt über eine installierte Gas-Kraftwerksleistung von rund 30 GW (von insgesamt etwa 200 GW inkl. Erneuerbarer Energien). Dieser Wert ist in den letzten 15 Jahren kontinuierlich gestiegen, da viele Energieunternehmen in Erwartung schärferer Klima- und Umweltstandards in saubere und hocheffiziente Anlagen investiert haben.

CO2-arme Gaskraftwerke sind zu wenig ausgelastet

Aber: Installierte Leistung führt nicht von selbst zu Stromerzeugung. Derzeit sind emissionsarme Gaskraftwerke im Schnitt nur zu 35 Prozent ausgelastet. In 2018 haben diese nur 13 Prozent (Brutto-Stromerzeugung, AG Energiebilanzen) zur Stromerzeugung in Deutschland beigesteuert. Sie könnten aber einen deutlich höheren Anteil liefern. Das hat einen einfachen Grund: Die Kraftwerke stehen zu oft still, die Potenziale werden nicht genutzt.

Der Markt belohnt derzeit saubere und effiziente Stromerzeugung nicht, die auch dann bereitsteht, wenn kein Wind weht oder die Sonne nicht scheint. Strom aus Braunkohle ist zwar deutlich schmutziger als der aus Gaskraftwerken, aber eben oft auch billiger. Der Anteil von Braun- und Steinkohle an der Stromerzeugung in den ersten drei Quartalen 2018 betrug etwa 38 Prozent.

Leider tut sich die Politik schwer damit, hier wirksame Signale für Klimaschutz zu senden, trotz des Ziels bis 2020 40 Prozent CO2 gegenüber dem Referenzjahr 1990 einzusparen. Deutschland tritt beim Klimaschutz im Stromsektor also beinahe auf der Stelle und verfehlt absehbar seine Ziele. Dabei ist die Diskussion über klimafreundliche Stromerzeugung immens wichtig, schließlich ist der Energiebereich mit Abstand der größte Emittent an klimaschädlichem Kohlendioxid.

Ein Problem ist, dass zu oft im Schwarz-Weiß-Schema von erneuerbaren und fossilen Energien gedacht wird. Das ist aber zu einfach. Zum einen braucht es flexible Kraftwerke, die auch dann bereitstehen, wenn es dunkel und windstill ist. Zum anderen ist fossile Energie eben nicht gleich fossile Energie. Für Klima und Umwelt macht es einen großen Unterschied, ob der Grundlastanteil für den Strommix in effizienten Gaskraftwerken oder in Braunkohlekraftwerken mit hohen Emissionen erzeugt wird.

Stand der Technologie im Bereich Energieerzeugung mit ERDGAS

2017 hatte der Bestand der deutschen Gaskraftwerke einen Brennstoffnutzungsgrad von 60 Prozent. Zum Vergleich: Der Bestand der Braunkohlekraftwerke kommt auf einen durchschnittlichen Wert von 39 Prozent.

Zukünftig kann dieser Wert für ERDGAS sogar noch steigen. In Düsseldorf zum Beispiel steht das effizienteste und leistungsfähigste Gas- und Dampfturbinenkraftwerk der Welt. Im Januar 2016 ist es in Betrieb genommen worden und gilt seither als Stand der Technik. Es arbeitet mit einer Brennstoffausnutzung von bis zu 85 Prozent. Noch effizienter arbeiten nur kleine, dezentrale Systeme wie die gasbetriebene Brennstoffzelle, die im Heizungskeller Strom und Wärme erzeugt.

Ergebnis einer Studie des Fachinstituts DBI Gas- und Umwelttechnik, das mit aktuellen Zahlen, internationalen Berechnungsstandards der IPCC und den realen Werten für Zentraleuropa rechnet, ist  – auch inklusive aller Vorkettenemissionen –  Strom aus Gas deutlich klimaschonender als Strom aus anderen fossilen Brennstoffen.

Welche Argumente sprechen für ERDGAS?

  • Schnelle Klimaschutzmaßnahmen notwendig: Die verbleibende Menge an Treibhausgas, die wir nach dem Pariser Klimaabkommen emittieren dürfen, ist begrenzt und geht schneller als geplant zur Neige. Wenn wir mit derselben Geschwindigkeit wie bisher CO2 ausstoßen, ist das Zwei-Grad-Ziel bereits in der kommenden Dekade in Gefahr. Das zeigt: Jede eingesparte Tonne CO2 zählt. Jetzt müssen kurzfristig wirksame Lösungen ergriffen werden.

    CO2-Tag
  • Umstieg auf ERDGAS bringt schnellen Klimaschutz: Fast jede zweite Tonne CO2 in der Stromerzeugung stammt aus der Braunkohle. Es ist daher richtig, die Frage der Struktur der Stromerzeugung genauer zu betrachten. ERDGAS ermöglicht die Produktion von mehr als der dreifachen Energiemenge pro emittierter Tonne CO2.

    Fuel Switch
  • Gas ist emissionsarm: Ein Umstieg von Braunkohle zu emissionsarmen Gaskraftwerken kann die CO2-Emissionen pro Kilowattstunde Strom um bis zu 70 Prozent senken. Das kann pro Jahr bis zu 110 Mio. Tonnen CO2 einsparen, also mehr als alle Treibhausgas-Emissionen der deutschen Haushalte zusammen. Durch den Einsatz von Biomethan und synthetischem ERDGAS wird das Gas zudem immer grüner und der CO2-Ausstoß immer geringer.

    Erneuerbare Gase
  • Die Gaskraftwerke und die Gasinfrastruktur stehen bereit: Derzeit steht in Deutschland rund 30 GW an gesicherter Gas-Kraftwerksleistung zur Verfügung, die dezentral verteilt ist und auch bei kalter "Dunkelflaute" Strom erzeugen kann. Diese Kapazität ist derzeit durchschnittlich nur zu rund 35 Prozent ausgelastet. Bei einer Abschaltung oder Reduktion der Leistung der Braunkohle-Kraftwerke besteht also kein Risiko einer Einschränkung der Versorgungssicherheit. Auch das bestehende Gasnetz kann diese notwendigen zusätzlichen Gastransportkapazitäten bereitstellen. Es ist für die sichere Versorgung der Gaskraftwerke selbst bei einer deutlich höheren Auslastung ausgelegt.

    Sichere Infrastruktur
  • Klimaschutz kosteneffizient umsetzen: Keine andere Maßnahme in der Stromerzeugung spart kurzfristig mehr CO2 pro eingesetztem Euro als der Ersatz von Braunkohle durch Gas. Die Mehrkosten je Kilowattstunde liegen dabei nur bei einem Bruchteil der EEG-Umlage, die heute jeder Stromkunde mitbezahlt. Andere low-hanging fruits wie zum Beispiel der Einsatz hocheffizienter KWK sollten ebenfalls kurzfristig geerntet werden.

    Stromerzeugung mit Gas

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs
Tel.: 030 4606015-70

E-Mail senden