Hohes Potenzial im Wärmemarkt

Heizungsmodernisierung mit einem neuen Gas-Brennwertkessel
Quelle: Luca Abbiento

Etwa 40 Prozent des deutschen Energieverbrauchs und etwa ein Drittel der CO2-Emissionen entfallen auf den Gebäudebestand. Rund 85 Prozent des häuslichen Energieverbrauchs werden für Heizwärme und Warmwasserbereitung verwendet. Insgesamt konnte der Wärmesektor in den vergangenen Jahrzehnten bereits massiv Emissionen einsparen.

Sparmeister Wärmemarkt: Welches Potenzial lässt sich bis 2050 heben?

Geht man nach den Plänen der Bundesregierung, soll der Gebäudesektor bis zum Jahr 2050 80 Prozent der Primärenergie und CO2-Emissionen einsparen, um die Klimaschutzziele zu erreichen. Das kann nur gelingen, wenn Warmwasserversorgung und Gebäudeheizungen zunehmend effizienter werden. Während bauliche Maßnahmen wie Dach- und Außenwanddämmung oder Fenstersanierung umfassende Investitionen erfordern, ist ein Wechsel des Wärmeerzeugers eine wirtschaftlich sinnvolle Option für sofortigen Klimaschutz.

Obwohl der Wärmemarkt einer der Vorreiter beim Klimaschutz ist – bis 2015 wurden immerhin bereits rund 30 Prozent CO2 im Vergleich zum Referenzjahr 1990 eingespart – liegt ein Großteil des Weges für eine gelingende Wärmewende noch vor uns. Um diesen Prozess abzuschließen, fordern nun viele eine Vollelektrifizierung des Wärmemarktes.

Wie sinnvoll ist die Vollelektrifizierung des Wärmemarktes?

Eine reine Elektrifizierungsstrategie ist für das Erreichen unserer Klimaziele ungeeignet, denn sie kann erst langfristig wirksame Ergebnisse liefern. Und das zu einem sehr hohen Preis. Erdgas-Technologien bieten bereits heute kostengünstigen Klimaschutz mit enormen Potenzial.

Beispiel Kommunen: Ein wichtiges Thema sind hier energetische Quartierskonzepte, die in der öffentlichen Diskussion meist als strombasiert gesehen werden. Eine von uns in Auftrag gegebene Modellrechnung hat gas- und strombasierte Heizungsoptionen für ein Neubau- und ein Bestandsquartier verglichen. Das Ergebnis: Sowohl im Neubau als auch im Bestand sind gasbasierte KWK die kostengünstigsten und, mit rund einem Drittel weniger Emissionen, die saubersten Lösungen. Auch grünes Gas wird immer wichtiger, gerade in der Nahwärme. Denn schon heute wird in nahezu jeder zweiten Gas-KWK-Anlage Biogas eingesetzt. Wenn wir eine klimaschonende und gleichzeitig bezahlbare Wärmeversorgung wollen, führt an Gas kein Weg vorbei.  

Beispiel Einfamilienhaus: Das gilt auch für Einfamilienhäuser – bei denen noch Nachholbedarf besteht. Potenzial für den Wärmemarkt: Dreiviertel der deutschen Heizungen sind älter als 15 Jahre und damit nicht auf dem neuesten Stand der Technik. Hier müssen wir ansetzen, wenn uns die Umwelt und das Klima wichtig sind. Ein Wechsel von alten Ölheizkesseln auf moderne Gas-Brennwertgeräte bietet die höchste CO2-Minderung zu den niedrigsten Kosten. Um dieses Energieeinsparpotenzial zu heben, haben wir gemeinsam mit Marktpartnern die Raustauschwochen ins Leben gerufen. Mit der Aktion wollen wir Bürger informieren und animieren, ihre alten Heizungen gegen effiziente Erdgas-Heiztechnik zu tauschen und so Energie und Emissionen zu sparen. Jeder Tausch wird mit einer Prämie zusätzlich zur staatlichen Förderung belohnt. Insbesondere Hausbesitzer in den westlichen Bundesländern sollten die Gelegenheit nutzen. Denn durch die in diesen Gebieten notwendige Umstellung von L- auf H-Gas werden Anpassungen an den Heizgeräten ohnehin notwendig. Ein guter Anlass also, um die alte Heizung zu entsorgen und auf ein modernes Produkt umzusteigen.

Die Wärmewende muss keine Fiktion bleiben. 81 Prozent weniger CO2-Emissionen im Gebäudebereich sind realisierbar, wie unsere Studie Wärmemarkt 2050 bestätigt. Der Bestand an Wohngebäuden kann das für den Wärmemarkt anvisierte Klimaziel von 80 Prozent CO2-Reduktion ohne Systembrüche erreichen. Durch den Einsatz von Erdgas wird dies kostengünstig und damit sozialverträglich möglich.

Fast Dreiviertel der Hauseigentümer haben 2018 mit Erdgas modernisiert

Großes Potenzial im Wärmemarkt

Der Wärmesektor ist auf einem guten Weg, hat aber auch noch viele ungenutzte Potenziale.

Im Koalitionsvertrag bekennt sich die Politik zur steuerlichen Förderung der energetischen Gebäudesanierung. Entscheidend ist, dies jetzt wirksam umzusetzen, damit technologieoffen nach der umweltfreundlichsten und wirtschaftlichsten Lösung gesucht werden kann. Effiziente Gas-Heizungen und Erdgas-Technologien wie die Brennstoffzelle oder das Power-to-Gas-Verfahren zeigen: Erdgas ist schon heute zukunftsträchtiger Energieträger und starker Partner der Erneuerbaren im Wärmemarkt. Unser Ziel sollte daher nicht sein, eine vollständig elektrifizierte Welt zu erschaffen. Vielmehr müssen wir alle uns zur Verfügung stehenden Technologien nutzen, um bezahlbaren Klimaschutz zu ermöglichen und die Klimaziele so kosteneffizient zu erreichen.

Der Leitsatz muss lauten: Mit den geringsten Mitteln die größten Effekte erzielen.

Bauherren und Modernisierer entscheiden sich für Gas-Brennwert

Auf Gas basierende Heizsysteme sind mit mehr als 50 Prozent Anteil am Heizungsbestand marktführend. Und dieser Anteil wächst, denn im Bestand und auch im Neubau verzeichnen Erdgas-Heizungen beständig sehr hohe Absatzzahlen. Deutschlandweit sind aber immer noch drei von vier Heizungen veraltet. Das sind rund 13 Millionen Heizungen, die nicht dem Stand der Technik entsprechen und somit deutlich mehr Energie und Emissionen ausstoßen als ihre modernen Pendants.

Das Fazit: In unseren Heizungskellern schlummert enormes Potential zur schnellen und kosteneffizienten Emissionsminderung. Gerade die anstehende Marktraumumstellung mit rund 6 Mio. Kundenkontakte kann ein wichtiger Treiber für den Heizungstausch sein.

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs | Chefvolkswirt
Tel.: 030 4606015-70

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