Deutschland muss sich zum CO2-Budget bekennen

Das CO2-Budget ist die eigentlich wichtige Steuergröße für Klimaschutz!

Jede Tonne CO2, die wir heute emittieren, bleibt für viele Jahre in der Atmosphäre und beschleunigt den Klimawandel. Daher liegt den Klimazielen aus Paris ein Budget-Gedanke zugrunde: Um das Klimaziel von Paris zu erreichen, darf nur eine begrenzte Menge CO2 emittiert werden. Bislang hat sich der Budget-Gedanke noch nicht als Steuergröße für Klimaschutz verankert. Die Politik fokussiert sich einseitig auf Jahres-Klimaziele, die weit in der Zukunft liegen.

Die Folge: Deutschland tritt beim Klimaschutz auf der Stelle, die CO2-Emissionen sind zuletzt sogar gestiegen. Dabei sollte Deutschland als Industrienation und Vorbildfunktion seine Verantwortung betonen: Wenn wir als Industrienation das nicht schaffen, wie sollen es dann weniger leistungsfähige Nationen können? Daher ist es auch notwendig, anderen Staaten, denen weniger Technologie zur Verfügung steht, die Belastung abzunehmen.

Deutschland muss beweisen, dass es Klimaschutz kann

Am 27. März war das CO2-Budget in Deutschland für 2019 bereits aufgebraucht

Bisher sieht es jedoch anders aus: Das Deutschland rechnerisch zur Verfügung stehende CO2-Budget  von 217 Millionen Tonnen CO2 für das Jahr 2018 wurde bereits nach 3 Monaten aufgebraucht. Der CO2-Tag hat gezeigt: Wir leben über unsere Verhältnisse. Die Klima-Schulden, die wir heute machen, kommen uns in wenigen Jahren umso teurer zu stehen. Zielverfehlungen müssen so doppelt ausgeglichen werden und das 2020 Ziel ist nicht mehr zu erreichen. Ohne Kurskorrektur wird Deutschland auch die Klimaziele für 2030 und 2050 verfehlen.

Deutschland hat eine Leitfunktion in Europa, die es wahrzunehmen gilt: Europa ist nach USA und China drittgrößter CO2-Emittent. Deutschland steht an sechster Stelle im weltweiten Ranking und hat damit eine klare Führungsverantwortung. Insbesondere als stärkste Wirtschaft im europäischen Raum kann Deutschland den Kurswechsel weg von emissionsintensiven hin zu emissionsarmen Energieträgern am besten bewältigen und so als Vorbild für die europäischen Nachbarn dienen.

Um schnellen Klimaschutz zu ermöglichen, muss daher das CO2-Budget als Leitgröße etabliert werden. Für die Kohlekommission sollte daher nicht das Enddatum im Vordergrund stehen, sondern wie viel CO2 bis dahin emittiert wird.

Maßnahmen für den Klimaschutz

Marktwirtschaftliche Lösungen können für mehr Wettbewerb sorgen und so kosteneffizienten Klimaschutz garantieren.

Durch einen Fuel-Switch kann ungenutztes Potenzial gehoben werden: Im April 2018 waren die 30 GW Gas-Kraftwerke nur zu 6 % ausgelastet. Hier liegt erhebliches Potenzial, die CO2-Emissionen Deutschlands "auf Knopfdruck" zu senken.

Für Klimaschutz sind insbesondere wichtig: Effizienz und ein Wechsel hin zu Erneuerbaren und CO2-armen Brennstoffen. Daher muss die Rolle von Gas als aktives Element in der Klimaschutzpolitik verankert werden:

Denn Gas hat heute eine hohe wirtschaftliche Bedeutung:

  • 20 Prozent der deutschen Energieversorgung
  • 30 GW installierte Gas-Kraftwerksleistung
  • Beschäftigungseffekt der deutschen Gas-Industrie: ca. 570.000 Erwerbstätige
  • Die Gas-Wirtschaft mitsamt der ihr angrenzenden Branchen ist in Deutschland für eine Gesamt-Wertschöpfung von rund 45 Mrd. € verantwortlich.
  • Durch direkte Steuern und Abgaben der Gas-Wirtschaft fließen Bund, Ländern und Kommunen jährlich rund 7,5 Mrd. € zu.
  • Vielfältige Technologien wie Power-to-Gas und Brennstoffzellen zeigen, dass das Gas-Netz und der Energieträger eine wichtige Scharnierfunktion in Richtung Zukunft haben.


Appell: CO2-Einsparung muss als Leitgröße verankert werden, jedes Gramm zählt! Erdgas und sein Transportnetz sind dabei entscheidende Größen.

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs | Chefvolkswirt
Tel.: 030 4606015-70

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