Der Weg in eine emissionsarme Gesellschaft

Low Carbon Society
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Der Grundstein gegen den Klimawandel und für eine Emissionsreduktion wurde mit dem Pariser Klimaabkommen gelegt. Sämtliche Staaten haben das Abkommen mittlerweile ratifiziert. Das schafft eine starke politische Grundlage für das weltweite Engagement gegen den Klimawandel. "Was einst undenkbar schien, ist jetzt nicht zu stoppen", erklärte der damalige UN-Generalsekretär Ban Ki Moon nach Abschluss der Vereinbarung. Auch der am 15.08.2017 erklärte Ausstieg der Vereinigten Staaten aus dem Vertrag kann dessen Bedeutung kaum mindern.

Das Abkommen verlangt, dass die Staaten alle fünf Jahre nationale, stetig ambitioniertere Klimaziele festlegen. Zudem sind sie völkerrechtlich verpflichtet, Maßnahmen zum Erreichen dieser Ziele zu ergreifen. Ein internationales Gremium wird regelmäßig überprüfen, ob die Nationen auf dem richtigen Weg sind. Sanktionen wird dieses Komitee zwar nicht verhängen dürfen. Doch es kann Defizite öffentlich machen, ein Gesichtsverlust, den wohl keine Regierung in Kauf nehmen möchte, wenn sie international als vertrauenswürdiger Partner wahrgenommen werden will. Teil des Abkommens ist auch die Verpflichtung der Industrienationen, die Entwicklungsländer bei der Finanzierung von Maßnahmen zum Klimaschutz wie auch zur Anpassung an den Klimawandel zu unterstützen.

Effektiver Klimaschutz:

  • ambitionierte nationale Klimaziele
  • langfristiger Rahmenbedingungen für Investitionen in klimafreundliche Technologien
  • Anregung von Marktmechanismen zur Bekämpfung des Klimawandels
  • Zivilgesellschaftliche Aktivitäten für die Transformation hin zu einer kohlenstoffarmen Gesellschaft

Nationale Klimaziele: Was muss bis 2030 passieren, damit eine deutliche Emissionsreduktion erreicht wird?

Deutschland hat bereits 2007 ein ehrgeiziges Klimaschutzziel vorgelegt: Bis 2020 soll der Treibhausgas-Ausstoß um vierzig Prozent gegenüber 1990 sinken. Heute, kurz vor Ablauf dieser Frist, ist jedoch klar, dass die Bundesrepublik dieses Ziel weit verfehlen wird.

Daher gilt es nun, die nationale Klimapolitik auch mit Blick auf 2030 neu auszurichten. Gegenüber der EU hat sich Deutschland verpflichtet, die Emissionen bis 2030 um 55 Prozent gegenüber 1990 zu reduzieren. Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn die Politik neben der Stromversorgung auch die Sektoren Verkehr und Wärme ins Visier nimmt. Darüber hinaus muss die Braunkohle durch klimafreundlichere Energieträger ersetzt und die Energieeffizienz in sämtlichen Sektoren deutlich gesteigert werden.

Bei alledem sind sich die Experten einig: Die deutschen CO2-Ziele für 2030 wie auch für 2050, bis dahin sollen die Emissionen um mindestens 80 Prozent sinken, sind technisch und ökonomisch grundsätzlich erreichbar. Das bestätigt die Leitstudie "Integrierte Energiewende" der Deutschen Energie-Agentur (dena). Voraussetzung dafür ist jedoch, dass sich der Staat auf die Vorgabe realistischer, verlässlicher Ziele beschränkt. Die Umsetzung muss den Marktteilnehmern überlassen bleiben. Unflexible Sektorziele, Technologieverbote und planwirtschaftliche Instrumente wie eine Quote für Elektroautos wirken kontraproduktiv. Nur ein wirklich technologieoffener Pfad erreicht die Klimaschutzziele mit den geringsten Kosten.

Dekarbonisierung der Industrie

Mit der Energiewende soll Deutschland in eine der energieeffizientesten, innovativsten und umweltfreundlichsten Volkswirtschaften der Welt transformiert werden – ohne den Innovations- und Technologiestandort Deutschland langfristig zu schwächen sowie wettbewerbsfähige Energiepreise bei hohem Wohlstandsniveau zu gewährleisten.

Neben der Umstellung des Energiesystems kommen insbesondere kohlenstoffintensive Industriezweige wie die Stahl-, NE-Metall-, Gießerei-, Chemische, Zement-, Glas-, Kalk-, Papier- und Zellstoff-, Nahrungsmittel- und Textilindustrie in Betracht und müssen ihren Beitrag leisten. Alle Unternehmen müssen sich branchenübergreifend an der Dekarbonisierung beteiligen und die wesentlichen Emissionsquellen ihrer Tätigkeiten fokussieren, eine Klimastrategie entwickeln und Maßnahmen ergreifen.

Akzeptanz der Energiewende nicht verspielen

Umfragen zeigen, dass die grundsätzliche Zustimmung der Bürger zur Energiewende nach wie vor sehr hoch ist. Allerdings mehrt sich die Kritik an deren Umsetzung. Die Bürger beklagen steigende Energiekosten und Eingriffe in das Landschaftsbild, etwa durch neue Stromtrassen. Manche sehen mit dem weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien zudem die Versorgungssicherheit bedroht. Sollte der Unmut eines Tages dazu führen, dass die Energiewende die Akzeptanz der Bevölkerung verliert, wird sie scheitern.

Die Nutzung der vorhandenen Gasinfrastruktur kann ganz wesentlich dazu beitragen, dass die prinzipielle Zustimmung der Bürger zum Umbau des Energiesystems erhalten bleibt. Wie u. a. die Frontier-Economics-Studie und die dena Leitstudie "Integrierte Energiewende" zeigen, verringert Power-to-Gas den Ausbaubedarf bei den Stromnetzen deutlich. Das kommt nicht nur dem Landschaftsbild zugute, sondern auch den Portemonnaies der Bürger, wie die Studien belegen: Verglichen mit einer weitgehenden Elektrifizierung aller Sektoren spart die Nutzung der bestehenden Gas- und Wärmeinfrastruktur bis 2050 insgesamt 340 - 390 Milliarden Euro (dena) ein. Die Klimaziele für 2030 und 2050 werden dennoch erreicht.

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs
Tel.: 030 4606015-70

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