Strom, Wärme, Verkehr gemeinsam betrachten

Eine erfolgreiche Energiewende gelingt nur, wenn die Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie eng miteinander verknüpft werden. Denn das schafft Synergien, die eine Dekarbonisierung der Gesellschaft auf wirtschaftlich sinnvolle Weise möglich machen.

Allerdings wäre es falsch, sich allein auf Strom als verbindendes Element der Sektorenkopplung zu fokussieren. Zunächst hat es nichts mit Klimaschutz zu tun, wenn ein Großteil des Stroms im deutschen Energiemix aus klimaschädlicher Braunkohle stammt. Darüber hinaus bleibt die Frage nach der Bezahlbarkeit unbeantwortet: Die gesamte Energieversorgung auf Strom umzustellen, würde einen enormen Netzausbau mit sich bringen. Allein die Elektrifizierung des Wärmemarkts würde mit knapp 50.000 Euro pro Haushalt zu Buche schlagen. Die hohen Kosten können die Akzeptanz der Energiewende in der Bevölkerung gefährden. Und woher soll der Strom an kalten, windstillen Tagen kommen, wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht? Wir brauchen eine technologieoffene Energiewende, die einen Wettbewerb zulässt.

Die Kopplung der Sektoren ist unerlässlich für den Erfolg der Energiewende

Denn auch ERDGAS und perspektivisch grüne Gase führen die Sektoren zusammen: Der klimaschonende Energieträger lässt sich gleichermaßen für die Strom- und Wärmeversorgung, für den Antrieb von Fahrzeugen wie auch in der Industrie nutzen mit dem Vorteil, dass mit den Gasnetzen und -speichern, den Kraftwerken, Heizkesseln und Tankstellen die nötige Infrastruktur bereits weitgehend vorhanden ist.

Eine besondere Rolle bei der gasbasierten Sektorenkopplung spielt Grünes Gas, das mit überschüssigem Wind- und Solarstrom hergestellt wird. Sogenannte Power-to-Gas-Anlagen  produzieren aus erneuerbarem Strom Gas, das ins bestehende Gasnetz eingespeist werden kann. Dieses klimaneutrale Grüne Gas lässt sich auf vielfältige Weise nutzen für die Wärmeversorgung, im Verkehr oder aber für die bedarfsgerechte Stromerzeugung. Als klimaneutraler Brennstoff kann es einen wesentlichen Beitrag zur Dekarbonisierung leisten.

Entwicklung des Erdgasverbrauchs bis 2050
Studie Wärmemarkt 2050 von Zukunft ERDGAS

Zudem zeichnet sich Grünes Gas wie auch ERDGAS dadurch aus, dass es sich problemlos über einen sehr langen Zeitraum speichern lässt. Damit eignet sich Gas zum saisonalen Ausgleich der erneuerbaren Energien. Denn Gaskraftwerke können auch dann zuverlässig und planbar Strom liefern, wenn Windräder und Solaranlagen wetterbedingt ausfallen. Damit hält die Gasinfrastruktur die Versorgungssicherheit in Deutschland auf dem gewohnt hohen Niveau.

Ein weiterer Vorteil der gasbasierten Sektorenkopplung: Eingespeist in das bestehende Gasnetz, steht Gas dort zur Verfügung, wo es gebraucht wird etwa in den industriellen Zentren im Westen und Süden der Republik. Für den Transport des vornehmlich im Norden und Osten erzeugten Windstroms müssen die nötigen Hochspannungsleitungen dagegen in weiten Teilen erst noch geschaffen werden.

Vorhandene Infrastruktur nutzen

Mit dem weiteren Ausbau der Wind- und Solarenergie werden Stromerzeugung und -verbrauch zeitlich wie räumlich mehr und mehr entkoppelt. Es bedarf also neuer Speicher sowie eines beschleunigten Netzausbaus, um den Strom bedarfsgerecht zur Verfügung zu stellen. Setzt man dabei jedoch allein auf Batterien und Stromnetze, werden die Kosten der Energiewende unnötig in die Höhe getrieben.

Das ist gar nicht nötig: Die Gasinfrastruktur steht bereits heute verlässlich bereit, um Erzeugung und Verbrauch von Strom in Einklang zu bringen und das zu niedrigeren Kosten und ohne Zeitverzug, da die nötigen Gaskraftwerke, -netze und -speicher bereits vorhanden sind. So können hocheffiziente Gaskraftwerke bereits heute die schwankenden Erträge der Windräder und Photovoltaikanlagen ausgleichen. Das schafft Flexibilität und stärkt die Versorgungssicherheit.

Laut einer Studie von Frontier Economics und Partnern könnte Power-to-Gas samt Nutzung der bestehenden Gasinfrastruktur den Ausbaubedarf im Stromübertragungsnetz langfristig um 60 und im Verteilnetz um 40 Prozent reduzieren. Für Mitte dieses Jahrhunderts prognostizieren die Experten damit eine Ersparnis von zwölf Milliarden Euro jährlich.

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs
Tel.: 030 4606015-70

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