Dekarbonisierung mit Gas

Dekarbonisierung der Gesellschaft mit grünen Gasen
Quelle: Ryan DeBerardinis/Zukunft ERDGAS

Der Klimawandel wird unsere Welt nachhaltig verändern und womöglich große ökologische und ökonomische Folgen mit sich bringen. Auf der COP21 in Paris 2015 entstand daher ein einzigartiges Klimaschutzabkommen, das u. a. vorsieht, ab 2050 nicht mehr Treibhausgase auszustoßen, als von natürlichen Kohlenstoffsenken wie Wäldern und Ozeanen aufgenommen werden können. In 2016 wurde das Abkommen unterzeichnet. Seither gilt es, die globale Erderwärmung auf 1,5 bis 2 Grad gegenüber dem vorindustriellen Temperaturniveau zu begrenzen. Alle Staaten sind gefordert – so auch Deutschland.

CO2-Minderung muss schneller vorangehen

Seit 1990 konnte der CO2-Ausstoß der deutschen Energiewirtschaft um 123 Mio. Tonnen (2016) gesenkt werden (für 2017 werden 138 Mio. t geschätzt; Quelle UBA 2018). Ein großer Erfolg, der vor allem auf den Ausbau der Erneuerbaren sowie auf Effizienzsteigerungen zurückzuführen ist. Doch um das Klima zu schützen, muss die CO2-Minderung schneller vorangehen – und das nicht nur in der Energieversorgung. Auch andere Sektoren mit großem Einsparpotenzial sind gefragt: vor allem der Verkehr, die Industrie und der Gebäudemarkt.

Daraufhin traten in Deutschland mit dem Energiekonzept 2050 umfassende Gesetze zur Energiewende in Kraft. Die in erster Linie darauf abzielen, die deutschen CO2-Emissionen zu reduzieren.

Treibhausgas-Emissionen in Deutschland unterteilt nach Sektoren

Wichtigstes Ziel ist die Reduktion von CO2

Bei der Debatte um die Gestaltung der Energiewende gerät gelegentlich aus dem Blick, was eigentlich das oberste Ziel dieses Prozesses ist: die Dekarbonisierung der Gesellschaft. Nur mit einer drastischen Minderung der Treibhausgas-Emissionen lassen sich die deutschen Klimaschutz-Verpflichtungen einhalten.

Dabei ist es wichtig, CO2-intensive durch CO2-arme oder -freie Technologien zu ersetzen. Windräder statt Kohlekraftwerke, effiziente Gas-Brennwertkessel statt Ölheizungen, CNG- und Elektroautos statt Benziner oder Diesel-Fahrzeuge – Maßnahmen wie diese sind unverzichtbar im Kampf gegen den Klimawandel.

Doch für eine erfolgreiche Energiewende und die Reduktion der Emissionen braucht es mehr: einen Systemwandel, der die Wechselwirkungen bei Erzeugung, Transport, Speicherung und Verbrauch von Energie berücksichtigt. Und der zugleich die Chancen, die in einer Koppelung der Sektoren Strom, Wärme, Verkehr und Industrie liegen, nutzt.

Alles Strom? Ein teurer Irrweg

Bei der Energiewende wird zu viel nur über Strom gesprochen. Dabei ist die Vollelektrifizierung eine teure Sackgasse. Deutlich wird das zum Beispiel bei der Elektromobilität. Sie stellt die Stromnetze auf die Probe, wenn viele Fahrzeuge gleichzeitig geladen werden oder wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint. Um dem entgegenzuwirken, sind erhebliche Investitionen notwendig. Die Elektrifizierung des Verkehrs birgt also Risiken, die bei der Gestaltung der Energiewende berücksichtigt werden müssen.

CO2-Emissionen im Gebäudebestand
CO2-Emissionen im Gebäudesektor 2016

Auch im Wärmemarkt müssen die CO2-Emissionen drastisch reduziert werden. Dabei reicht es nicht allein aus, alte Ölkessel durch moderne Gas-Heizungen zu ersetzen und eine größere Zahl von Gebäuden energetisch zu sanieren. Nötig ist auch, vermehrt Wärmepumpen einzusetzen, die Umweltwärme als Heizenergie nutzbar machen. Das geschieht meist mithilfe von Strom. Allerdings müssen Immobilien einige bauliche Anforderungen erfüllen, wenn sie mit Wärmepumpen beheizt werden sollen. Die Anlagen arbeiten nämlich nur dann effizient und wirtschaftlich, wenn die Gebäudehülle sehr dicht ist und die Wärme über Flächenheizungen statt über konventionelle Heizkörper abgegeben wird. Altbauten passen Wärmepumpen beispielsweise nur selten bzw. erfordern erhebliche, kostenintensive Umbauten. Sie werden daher auch hauptsächlich im Neubau eingesetzt.

Genauso fällt ins Gewicht, dass sehr große Kapazitäten für die Erzeugung, den Transport und die Speicherung von Strom geschaffen werden müssten, damit es die Haushalte auch an kalten Tagen gemütlich warm haben. Deutlich kostengünstiger ist laut einer Studie der Deutschen Energie-Agentur dena ein Technologiemix, bei dem auch noch im Jahr 2050 40 Prozent des Gebäudeenergiebedarfs mit Gas also mit Erdgas und Grünem Gas gedeckt werden. Auch auf diesem Wege lassen sich die CO2-Emissionen laut dena-Studie bis 2050 um 80 Prozent reduzieren – und dies zu erheblich geringeren Kosten.

Beheizungsstruktur nach Wohneinheiten

Beheizungsstruktur 2050
Studie Wärmemarkt 2050 von Zukunft ERDGAS

Die vollständige Elektrifizierung des Wärmesektors hätte aber noch einen weiteren Nachteil: Sie schließt die Tür für innovative Technologien, die noch in der Entwicklung oder gerade erst auf den Markt gekommen sind. Dazu zählen zum Beispiel Brennstoffzellen-Heizungen, die äußerst effizient Strom und Wärme erzeugen. Zudem hätten neue, bislang noch nicht absehbare Technologien keine Chance mehr, erprobt zu werden.


Die wichtigsten Maßnahmen für die Dekarbonisierung

Dr. Norbert Azuma-Dicke
Leiter Public Affairs
Tel.: 030 4606015-70

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